Von Alice Springs nach Tennant Creek

Alice Springs im Herzen des Red Center ist ein weitläufiger Ort, der nur aus Straßen mit flachen Fertighäuschen, teils mit Wellblech gedeckt, teils mit ein wenig grün drum herum, besteht. Kein Ort, um länger zu bleiben. Hier gibt es nichts zu sehen, als leichte Verwahrlosung und viel Verkehr. So muss wohl ein Base Camp aussehen, eine Versorgungsstation für die Weiterreise zu den echten Highlights, die wahrlich nicht hier in Alice zu finden sind. Und tatsächlich machen wir in Alice Springs auch nichts anderes, als unsere Vorräte für die Weiterfahrt aufzustocken: Lebensmittel, Wasser, Benzin (und Alkohol, wenn die Bottleshops geöffnet wären). 

Also zurück auf den Stewart Highway und raus aus Alice Springs. Gute fünf Stunden Fahrt liegen vor uns bis zum Etappenziel Tennant Creek. Da es bereits nach 13 Uhr sind, ist noch nicht ganz klar ob wir Tennant Creek heute wirklich erreichen werden. Sonnenuntergang ist gegen 18.15 Uhr und danach herrscht Fahrverbot auf den Highways im Outback. Dunkel ist dort nämlich richtig dunkel. Wenn aus dieser Dunkelheit ein Känguru plötzlich auf die Straße springt, wird es wirklich gefährlich. 

Der Stewart Highway nach Norden in Richtung Darwin erweist sich als schnurgerade einspurige geteerte Straße in gutem Zustand. Eine teils flache, teils hügelige Buschlandschaft (LINK) breitet sich rechts und links der Straße aus, soweit das Auge blicken kann. Der Highway schimmert am Horizont. Es ist windig und regnet immer wieder. Stundenlang bleibt das so. Für mich eine Art Traum (oder Albtraum, je nachdem): Eine Straße, die sich nie ändert und auf der man endlos weiterfährt.

Abwechslung bieten allein die wechselnde Vegetation am Straßenrand, Straßenschilder (z.B. „Rest Area 10 km – Please arrive alive“) und vereinzelter Gegenverkehr. Es gibt viele andere Camper. (Die meisten haben diese wahnsinnig tollen Allrad-Expeditionsfahrzeuge mit Aufbauten und Anhängern.) Außerdem immer wieder Road Trains. Monstertrucks mit drei oder gar vier Anhängern, insgesamt bis zu 53,5 m lang. Besser aufpassen, dass die einen im Gegenverkehr nicht von der Straße fegen.

Haltmachen kann man hier (wie überall) an verschiedenen Stellen. Es gibt einfache große Rastplätze oder Campgrounds, die den Eindruck von Truck-Stops vermitteln. Keine Schönheiten, erfüllen aber ihre Aufgabe. 

Wir halten in einem Weiler namens Ti Tree. Gerade hat auch ein gift-grüner Pkw einer US-Marke gehalten, aus dem eine Aborigine-Family mit knalligen verwaschenen T-Shirts aussteigt. Ein Tante-Emma-Laden, in dem man von Lebensmitteln über Haushaltsartikel und ausgeblichenen Plastik-Spielsachen alles bekommt ist unser gemeinsames Ziel. Mit uns betreten zwei Road-Cops den Laden, um kurz nach dem rechten zu sehen. Fertige Pommes in Papp-Bechern vegetieren gefühlt den ganzen Tag in der Auslage. Hinter der Theke zwei Mädels im Teenager-Alter, die vermutlich nie etwas anderes gesehen haben als diese ihre Heimat, sind unheimlich zuvorkommend und freundlich. Wir suchen nach Bier mit Alkohol und Akku-Pads für unsere Edelstahlpfanne, in die Kai gestern Öl eingebrannt hat. Leider erfolglos. Draußen noch ein Campground mit Bar, die geschlossen ist und eine Art Autowerkstatt. Mehr ist hier nicht zu finden.

Nach ein paar weiteren Stunden auf dem Stewart Highway eine Telegraphenstation mit hohem Mast, der das Kabel trägt. Die letzte war zwei Tagesritte entfernt (haha).

Wieder eine Stunde später Karlu Karlu. 

Karlu Karlu ist ein Ort mit vielen großen Steinen, die wirken als hätten hier Riesen mit roten Murmeln gespielt. Riesige runde Felsbrocken liegen hier teilweise übereinander getürmt großflächig verteilt auf einem Plateau in der Ebene. Laut Infotafel war dies ein Versammlungsort von vier verschiedenen Aborigine-Stämmen, die hier regelmäßig Rituale durchführten, die Ahnen um Unterstützung und Wohlwollen baten. Es wird berichtet, dass die Ahnen aus der Traumzeit hier immer noch unter den Felsen leben und dann und wann Menschen zu sich rufen. Beim Herumlaufen und Ersteigen der Felsen hat mich der Ort sehr ergriffen. So sehr, dass ich auf einmal das Gefühl habe beobachtet zu werden. Deswegen muss ich jedenfalls die Erkundung abbrechen, fast fluchtartig durch die Felsen herabklettern und auf den Parkplatz zurückkehren.

Tennant Creek erreichen wir als es schon dunkel ist. Zum Glück ist uns während der 10 Minuten Fahrt durch die Dunkelheit kein Känguru vor das Auto gesprungen. Verglichen mit den wenigen Ansiedlungen, die wir auf unserer Fahrt am Stewart Highway seit Alice Springs passiert haben, ist Tennant Creek eine richtige Kleinstadt. Der Supermarkt ist sehr gut sortiert und es gibt mehrerer Bottleshops mit viel besseren Öffnungszeiten als in Alice Springs. Wir übernachten im Tennant Creek Caravan Park, echt keine Sensation, aber es gibt Wasser und Strom und die sanitären Einrichtungen sind zwar alt aber sauber.

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